Booktube-Fallen: Das müsst ihr als Booktuber beachten

Booktube-Fallen: Das müsst ihr als Booktuber beachten

Posted: 17. Juli 2016

Booktuber sein, das kann jeder, oder? Einfach vor eine Kamera setzen, über Bücher quatschen und dann vielleicht noch etwas Geld damit verdienen oder kostenlos Bücher bekommen… Ai! Genau da ist der Haken. Ganz so einfach ist das eben doch nicht…

Was ihr als Booktuber beachten müsst

Einfach vor eine Kamera setzen und anfangen – so einfach soll YouTube funktionieren. Allerdings müsst ihr Grundlegendes bedenken, bevor ihr auf Booktube aktiv werdet. So müsst ihr euch überlegen, ob ihr damit Geld verdienen wollt? Wollt ihr kostenlose Rezensionsexemplare haben? Wollt ihr Bücher zitieren? Wollt ihr Bücher in die Kamera halten. Ja für alles? Dann solltet ihr Folgendes wissen…

Booktube-Falle #1: Bilder nutzen und Cover in die Kamera halten

Buchumschläge (Cover) unterliegen genauso dem Urheberrecht wie alle anderen Bilder. Gehören euch diese Bilder nicht, ist grundsätzlich von deren Verwendung abzuraten. D.h. auch, dass ihr nicht einfach Bilder googelt und in euren Teaserbildern nutzen dürft. Nutzt ihr das falsche Bild, können Abmahngebühren bis zu 10.000 Euro fällig werden. Insbesondere bei Google sind Bilder falsch ausgezeichnet. Daher kann ich nur dazu raten, Bilder ganz klassisch zu kaufen, z.B. bei Fotolia. Dort bekommt ihr schon für einen Euro schicke Bilder, die ihr dann mit Copyright verseht und mit einer Standard-Lizenz auch z.B. für YouTube-Videos nutzen dürft.

Was aber mit Buchcovern machen? Theoretisch könnt ihr dafür abgemahnt werden, wenn ihr Bücher einfach so in die Kamera haltet, weil ihr nicht die „Besitzer“ des Buchcovers seid. Genutzt werden darf es jedoch, wenn es im Rahmen einer „redaktionellen Verwendung“ gezeigt wird, d.h. wenn ihr etwas über das Buch sagt – und das sollte mehr sein als nur: „Das Cover ist so schön“. Sprecht über das Buch als Ganzes und ihr solltet sicher sein. Es bleibt zwar immer ein Restrisiko, praktisch geht das aber normalerweise gegen null, da die Verlage durchaus ein großes Interesse haben, euch als Werbeplattform zu nutzen. Achtet bitte lediglich darauf, dass das Cover immer als Ganzes gesehen wird. D.h. schneidet es nicht zu oder verändert es. Die Verlage haben das Cover als Ganzes gekauft – wird es verändert, können die euch nicht helfen, falls sich ein Grafikdesigner oder Fotograf beschweren sollte…

Booktube-Falle #2: Affiliate-Links und Werbung schalten

Natürlich könnt ihr Werbung auf YouTube schalten. Eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist z.B. Affiliate-Links zu setzen, d.h. ihr schreibt z.B. in eure Infobox welche Bücher ihr vorgestellt habt und verlinkt diese über das Amazon-Partnerprogramm o.ä. Klickt jemand dann auf euren Link, erhaltet ihr einen kleinen Prozentsatz des Kaufwertes, sozusagen als Vermittler. Tricky ist das deshalb, dass sobald ihr irgendeine Art von Werbung schaltet (auch Links), ihr ein Unternehmen anmelden müsst. Da ist es auch egal, wie viel ihr damit verdient. Jegliche Art von Online-Werbung muss prinzipiell versteuert werden, d.h. ihr müsst ein Gewerbe anmelden – das gilt übrigens auch für Blogs. Das ist aber nicht teuer. Und wenn ihr nichts oder wenig damit verdient, müsst ihr ohnehin nichts zahlen. Ja, es ist ein bisschen Bürokratie, aber so seid ihr immer auf der sicheren Seite.

Booktube-Falle #3: Schleichwerbung

Bekommt ihr Produkte wie z.B. Bücher kostenlos und stellt diese deshalb in besonders positivem Licht dar, müsst ihr vorsichtig sein – dann ist es nämlich Schleichwerbung, wenn ihr dies nicht als „Werbung“ kennzeichnet. Gleiches gilt, wenn ihr für eure Vorstellung Geld oder etwas anderes vom Verlag bekommt. Während der gesamten Dauer euer Vorstellung muss etwas wie „Werbung“ oder „Produktplatzierung“ eingeblendet sein. Ansonsten drohen empfindliche Geldstrafen.

Booktube-Falle #4: Rezensionsexemplare – kostenlose Bücher? Stichwort: Geldwerter Vorteil (Steuer)

Habt ihr einen Blog oder seid aktiv auf Booktube, könnt ihr bei Verlagen kostenlose Rezensionsexemplare anfragen. Dies könnt ihr z.B. über Bloggerportale machen oder indem ihr die Verlage direkt anschreibt, ihnen erklärt wer ihr seid, was ihr macht und welches Buch ihr gerne rezensieren würdet. Inzwischen reagieren die Verlage darauf sehr positiv. Die Chance, so an kostenlose Bücher zu kommen, ist daher recht groß.

Bücher verkaufen

Aber Achtung: Ihr dürft diese Bücher nicht an Rebuy, Momox & Co. verkaufen. Das wird von den Verlagen so vorausgesetzt. Haltet ihr euch nicht daran, könnte eure Bücherquelle schnell versiegen. Zudem hättet ihr dadurch ein „Einkommen“ im Sinne des geldwerten Vorteils, d.h. ihr müsstet den Wert der Bücher versteuern, was ihr ab einer gewissen Grenze ohnehin tun müsstet.

Geldwerter Vorteil / Bücherwert versteuern

Erhaltet ihr kostenlose Bücher, gehen diese in euer „Unternehmen“ ein, d.h. der Wert eures „Unternehmens“ wird dadurch gehoben – auch wenn ihr eigentlich Privatpersonen seid. Normalerweise wird das dann höchst kompliziert gegen andere Werte gegengerechnet. Allgemein gilt: Wer Bücher im Wert von unter 410 Euro erzählt, muss diese nicht in der Steuererklärung angeben. Das ist bei Hardcovern, die im Schnitt 20 Euro kosten, jedoch schnell erreicht. Das sind gerade einmal 20 Bücher im Jahr! Wie gesagt ist die Aufrechnung etwas kompliziert, d.h. ihr solltet diesbezüglich definitiv euren Steuerberater fragen. Habt ihr keinen, geht auf Nummer sicher und fragt gar nicht erst so viele Bücher an. Denn ein kostenloses Buch ist nicht wirklich kostenlos. Ein Rezi-Exemplar geht mit einer Rezi einher, d.h. das Buch ist sozusagen euer Honorar. Denkt dran!

Booktube-Falle #5: Booktube als Nebenjob

Wenn ihr 40 Stunden pro Woche arbeitet, müsst ihr euch sehr genau überlegen, ob ihr Booktube als „Nebenjob“ machen dürft, d.h. ob ihr damit Geld verdienen dürft – egal ob es nur Cents sind. Denn sobald ihr Geld damit verdient, ist es ein Nebenjob. Manch ein Arbeitgeber will das nicht und pocht darauf, dass ihr Erholungsphasen benötigt, d.h. arbeitsrechtliche Gründe spielen da mit. Daher solltet ihr euch bei einer Vollzeitbeschäftigung immer eine Genehmigung eures Arbeitgebers holen. Denn wenn ihr euch einmal krank zuhause bleibt, aber dafür ein Video auf Booktube hochladet, könnte schnell eine Verwarnung oder fristlose Kündigung bei euch eintrudeln. Spielt mit offenen Karten und erwähnt in eurem Antrag beim Arbeitgeber auch, dass man Videos auf YouTube vorterminieren kann, d.h. ihr könnt mitunter ein Video gar nicht von der Veröffentlichung stoppen, wenn ihr krank seid.

Booktube-Falle #6: Impressum – nein: ImpressumsPFLICHT

Es ist ein leidiges Thema, das viel zu wenig Leute beachten: WER IRGENDWELCHE INHALTE ONLINE STELLT, MUSS EIN ORDENTLICHES IMPRESSUM HABEN – JA, DU AUCH! Es ist egal, ob du rein „privat“ über Bücher quatscht, ob du Werbung schaltest oder nicht. Wenn du bei YouTube aktiv bist, musst du ein ordentliches Impressum haben, weil du sonst gegen Geldstrafe (meist dreistelliger Betrag) abgemahnt werden kannst. Wenn du 500 Euro so rumliegen hast, okay. Ansonsten: Bitte, bitte, legt euch ein Impressum zu. Das ist von Gesetz tatsächlich so geregelt. Nur wenn ihr z.B. eure Videos auf „privat“ stellt, d.h. nur Leute, die eure Videolinks (geheim) bekommen, können die Videos sehen, NUR DANN benötigt ihr kein Impressum. Ansonsten gilt: Innerhalb von zwei Klicks müssen alle wichtigen Daten zu euch auffindbar sein. Also z.B. Link im Kanal oder Infos im Kanaltext.

Was muss ins Impressum?

Vollständiger Name, Adresse (kein Postfach o.ä.), Telefonnummer – E-Mail sollte, aber muss nicht. Man muss euch unmittelbar erreichen können, d.h. ein Kontaktfeld auf einem Blog reicht NICHT!

Mal abgesehen vom rechtlichen Aspekt, verleiht euch ein Impressum Seriosität. Das kommt auch bei Verlagen & Co. gut an. Und seien wir mal ehrlich: Wenn ihr 100.000 Abonnenten habt, wird sich niemand vor eure Haustür stellen und es wird auch niemand um 4 Uhr morgens bei euch anrufen. Ich habe ohnehin aus beruflichen Gründe eine Zweitnummer. Die kostet ca. 2 Euro / Monat. Alternativ kann man Büroservices mieten, von denen man dann Adresse und Telefonnummer angeben kann. Und wenn ihr euren echten Namen nicht nennen wollt, solltet ihr euch überlegen, ob ihr im Internet Inhalte wirklich veröffentlichen müsst – denn ihr seid für alles, was ihr veröffentlicht haftbar und müsst daher erreichbar sein. Daher könnt ihr ansonsten kostenpflichtig abgemahnt werden – mehrfach.

Weitere allgemeine Infos zu YouTube findet ihr im Beitrag: „YouTuber werden“.

Habt ihr noch Fragen dazu? Hab ich was vergessen? Hat sich was geändert? Meldet euch gerne dazu in den Kommentaren!


Anmerkung: Ich bin kein Jurist/Steuerberater und gebe in diesem Blog-Beitrag keinen haftpflichtigen „Rechtsrat“ bzw. „Steuerrat“, sondern Informationen auf aktuelle Rechtslagen – so weit bekannt – und Praxis aus der Erfahrung als Online-Redakteurin und freien Journalistin. Der Text ist ohne Gewähr – zumal sich da auch immer wieder Änderungen ergeben können.

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